31.10.2008 – Ulla Lötzer
"Es ist erschreckend: Die Bundesregierung sieht sich nicht in
der Lage, die Auswirkungen der Finanzkrise und der globalen Rezession
auf die Bundesrepublik zu beschreiben. Sie sieht keine Anzeichen für
Probleme bei der Finanzierung von Unternehmen. Sie erwartet im nächsten
Jahr eine reale Steigerung des privaten Konsums um 0,3 Prozent. Und sie
hält eine Lockerung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes für nicht
sinnvoll, ein Festhalten an der Haushaltskonsolidierung aber schon",
fasst Ulla Lötzer die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine
Anfrage der Fraktion DIE LINKE zusammen (BT-Drs. 16/10729). Lötzer,
Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für internationale
Wirtschaftspolitik, fordert einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel:"Die
krasse Fehleinschätzung der aktuellen Situation, die in der Antwort zum
Ausdruck kommt, erklärt, warum die Bundesregierung beim Bankenpaket
versagt hat und warum sie auch der wirtschaftlichen Talfahrt nichts
entgegenzusetzen hat. Sie weigert sich, den dringend gebotenen
wirtschaftspolitischen Kurswechsel vorzunehmen. Sie handelt nicht im
Interesse der unschuldig von der Krise betroffenen Menschen, sie
weigert sich gegen den drohenden Verlust von Arbeitsplätzen vorzugehen.
Das, was an Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur geplant ist, verdient
den Namen Konjunkturprogramm nicht. Die Bundesregierung beugt sich dem
Druck der Banken und der Automobilindustrie, die jahrelang satte
Gewinne eingefahren haben.
DIE LINKE steht hinter den Lohnforderungen der Gewerkschaften. Wir
fordern Zukunftsinvestitionen und Arbeitsplätze in den Bereichen
Bildung und Umweltschutz. Wir stehen für eine Stärkung der
Massenkaufkraft vor allem von einkommensschwachen Schichten. Im
Gegensatz zur Bundesregierung scheuen wir uns nicht, ein
Konjunkturprogramm auch so zu nennen. Und wir bekennen uns zur
Verantwortung der reichen Nationen für die Entwicklungsländer und
fordern einen globalen Krisenfonds. Kurz: DIE LINKE steht für einen
wirtschaftspolitischen Kurswechsel."