EU-Industriekommissar Verheugen fordert als Reaktionen auf die
beabsichtigte Werksschließung von Nokia scheinbar konsequent und im
Einklang mit seinen ehemaligen FDP-Kollegen, staatliche Subventionen an
Unternehmen grundsätzlich abzuschaffen. Gerade die EU-Kommission hat
aber mit dem Stabilitäts- und Währungspakt und den Maastricht-Kriterien
erst den ruinösen Wettlauf um die niedrigsten Steuern und niedrigsten
Sozialabgaben angeheizt. Kommunen und Regionen bleibt dann oft keine
andere Wahl, als Unternehmen über zusätzliche Subventionen und eine
ausgebaute Infrastruktur anzulocken. Insbesondere Großunternehmen
nehmen diese Subventionen dankend an – und verschwinden nach Auslaufen
der 5 jährigen Bindungsfrist für EU-Gelder dann wieder.
DIE LINKE kritisiert diesen Wettlauf um die schlechtesten
Arbeitsbedingungen, die niedrigsten Steuern und Sozialabgaben sowie um
die höchsten Subventionen. Gerade das Ruhrgebiet ist nach dem Ausstieg
aus der Steinkohle und der BenQ-Pleite auf die Ansiedlung von
Unternehmen in Zukunftsbranchen wie Erneuerbaren Energien oder der
Medizintechnik angewiesen. Das Gegenmittel ist deshalb nicht die
generelle Abschaffung von Subventionen. Damit würde sich die Politik
von dem Anspruch verabschieden, Solidarität zwischen den starken und
den schwachen Regionen zu organisieren.
DIE LINKE fordert:
- Subventionen in Größenordnungen, wie sie bei Nokia geflossen sind,
dürfen in Zukunft nur noch als staatliche Beteiligungen am Unternehmen
gewährt werden.
- Die Strukturförderung ist qualitativ neu auf die nachhaltige
Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen auszurichten und an
sozial-ökologische Standards zu knüpfen.
- Die Bedingungen für die Mittelvergabe sind transparenter zu gestalten.
- Die Arbeitsplatzzusagen und Bindungsfristen, die Unternehmen eingehen, wenn sie Steuermittel erhalten, sind zu verschärfen.
- Die Verwendung muss besser kontrolliert werden.
- Unternehmen sind bei willkürlichen Verlagerungen nicht nur zur
Rückzahlung von Subventionen zu verpflichten, sondern auch zur
Beteiligung an den gesellschaftlichen Folgekosten.
Damit würde
der Staat am besten seinen Einfluss sichern und die Steuergelder der
Bürgerinnen und Bürger vor der Willkür von Subventionshaien schützen.
Die Schaffung von dauerhaften Arbeitsplätzen gerade auch in
Krisenregionen setzt aber vor allem eine andere wirtschaftspolitische
Gesamtstrategie voraus: Eine Abkehr von der einseitigen Förderung von
Exportindustrien und eine Stärkung der Masseneinkommen sind die ersten
Ziele. Sonst verkommt jede Strukturpolitik zum Reparaturbetrieb und
bringt die Regionen in Europa in einen schädlichen Wettlauf um die
höchsten Subventionen, anstatt dem Strukturwandel eine
sozial-ökologische Richtung zu geben.
Zu guter Letzt zeigt der
Nokia-Skandal, wie wichtig ein Ausbau der gewerkschaftlichen
Mitbestimmung ist: Im VW-Gesetz, das Herr Verheugen und seine
Kommission vor den Europäischen Gerichtshof gezerrt haben, ist für die
Verlagerung von Standorten eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat
notwendig. Deshalb müssen Belegschaften bei diesen Fragen echte
Mitbestimmungsrechte erhalten.