08.11.2007
Nein zum Steinkohlefinanzierungsgesetz
Arbeitsplätze werden abgebaut, Ausbildungsplätze werden vernichtet, die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler werden mit Kosten in noch unabsehbarer Höhe belastet, nur einige wenige private Investoren werden satte Gewinne einfahren.
Die Folgen des heutigen Beschlusses für das
Steinkohlefinanzierungsgesetz sind klar absehbar: Arbeitsplätze werden
abgebaut, Ausbildungsplätze werden vernichtet, die Steuerzahlerinnen
und Steuerzahler werden mit Kosten in noch unabsehbarer Höhe belastet,
nur einige wenige private Investoren werden satte Gewinne einfahren.
Das ist Ihre Politik, meine Damen und Herren von der Koalition, eine
Politik für den Profit Weniger zulasten der Allgemeinheit.
Der Evonik-Chef und frühere Wirtschaftsminister Müller erklärte dazu in
der Anhörung des Wirtschaftsausschusses lapidar: Wenn Unternehmen
abgebaut würden, gingen eben auch die damit verbundenen Wohlfahrten
flöten. Evonik jedenfalls sehe keine Veranlassung, einen Ausgleich zum
Beispiel für den Ausbildungsplatzabbau bei der Deutschen Steinkohle AG
zu schaffen.
Durch den Börsengang der RAG werden so Unternehmen geschaffen, die
keine Sozialverpflichtung mehr kennen. Die Folge ist, dass im
Ruhrgebiet 2 400 Ausbildungsplätze und unzählige Arbeitsplätze auf dem
Spiel stehen. Hier wird die Zukunft vieler junger Leute verspielt, in
einer Zeit in der es so wichtig wäre, gerade den jungen Menschen eine
tragfähige Perspektive zu bieten. Auch die Landesregierung und die
Bundesregierung stehlen sich aus der Verantwortung, mit dem Konzern
Verhandlungen zu führen, die diese Ausbildungsplätze sichern.
Als Begründung für den Börsengang wird immer wieder herangezogen, dass
der Konzern Evonik damit einer tollen Zukunft zugehe und damit auch
Nordrhein-Westfalen. Doch dies wurde in der Anhörung widerlegt. Auf die
Frage, ob sich diese glänzenden Aussichten in Arbeitsplätzen für das
Ruhrgebiet niederschlage, konnte Herr Müller nichts Positives
vermelden. Ersatzarbeitsplätze seien nicht absehbar, außer einigen
Hundert im Chemiepark Marl.
Nicht zuletzt daran zeigt sich, dass es falsch ist, zugunsten des
Börsengangs auf eine öffentlich-rechtliche Stiftung zu verzichten. In
der Anhörung des Wirtschaftsausschusses wurde deutlich, dass in der
Debatte war, eine öffentlich-rechtliche Stiftung, wie wir sie fordern,
einzurichten. Aber die Beteiligten haben dies letztlich abgelehnt mit
der Begründung, dass die Aufrechterhaltung eines staatlicher Einfluss
auf die RAG den Preis von Evonik an der Börse geschmälert hätte. Eine
kurzsichtige Sichtweise von Politikern, die vor lauter Euros vor Augen,
die vielleicht kurzfristig in die Kasse kommen, die Gesamtkosten, die
letztlich von allen zu tragen sein werden, beiseite schieben.
Ihre Verantwortung, meine Damen und Herren von der Regierungskoalition,
ist es jedoch, wenn Sie schon diesen falschen Weg einschlagen,
wenigstens die negativen Folgen abzumildern. Deshalb fordern wir Sie
auf, sich wenigstens jetzt gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen
für ein Konzept für eine Verbundausbildung einzusetzen. Alle
bergbaufremden Betriebe in den Bergbauregionen, die bisher von den hoch
qualifizierten Fachkräften der DSK profitiert haben müssen jetzt in die
Pflicht genommen werden. Dies gilt auch für Evonik und die
RAG-Stiftung. Als Partner für die Verbundausbildung sind auch die
Gewerkschaften, Handwerkskammern, regionale Industrie- und
Handelskammern, die Agentur für Arbeit und die Kommunen aktiv zu
beteiligen.
Auch aus der Kritik des Bundesrechnungshofes, dass Bund und Länder zu
wenig Einfluss auf die Stiftung haben, werden nach wie vor keine
Konsequenzen gezogen. Es bleibt dabei, Staatsferne für die Gewinne und
bei den Entscheidungen, bei der Haftung aber ist die Allgemeinheit dran.
Und wir fordern Sie auf, eine tragfähige Strukturpolitik für die
Bergbauregionen zu entwickeln. Trotz eingesparter 8 Milliarden bei den
Subventionen bis 2018 sollen im Ruhrgebiet nicht nur die Zechen dicht
gemacht werden, sondern auch keine Ersatzarbeitsplätze geschaffen
werden. Hier gäbe es große Chancen und Potenziale, aber nur wenn man
sie nutzt und fördert. Deshalb brauchen wir ein Strukturprogramm, das
die vorhandenen Kompetenzen in den Bergbauregionen, zum Beispiel im
Maschinenbau nutzt. Wir brauchen eine gezielte Ansiedlungsstrategie für
Energieeffizienztechniken und den Anlagenbau im Bereich erneuerbarer
Energie. Niedersachsen hat längst die Zeichen erkannt und profitiert
inzwischen enorm vom Windanlagenbau. Die Bergbauregionen müssen nun
versuchen, da Anschluss zu bekommen. Solange, bis ausreichend
Ersatzarbeitsplätze geschaffen worden sind, dafür die Gelder zu nutzen,
die durch die Reduzierung der Steinkohlesubventionen frei werden.