15.11.2007
Gesetz zur Bekämpfung von Preismissbrauch im Bereich der Energieversorgung
In der Diskussion um überhöhte Preise bei Strom und Gas fordert DIE LINKE die Rückkehr zur staatlichen Preiskontrolle und Sozialtarife, eine Überführung der Netze in die öffentliche Hand und eine Entflechtung der Konzerne.
Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen!
Auch wir begrüßen die Untersagung von Verkäufen unter Einstandspreis.
Das ist ein Grund, warum wir dieser Gesetzesvorlage zustimmen. Eine
solche Verschärfung ist tatsächlich im Interesse der letzten
verbliebenen kleinen Tante-Emma-Läden und des Fachhandels. Sie ist
richtig, weil Preisdumping die Versorgung auf dem Land schon erheblich
gefährdet hat.
Kollege Zeil, ich glaube, auch Ihnen ist bekannt, dass gerade die
Discountunternehmen die Verbraucherinnen und Verbraucher oft mit
Lockangeboten in die Läden locken. Hinterher zahlen die aber drauf.
Insofern ist es eine Schutzmaßnahme für die Verbraucherinnen und
Verbraucher, diese Lockvogelangebote unter Einstandspreis zu untersagen.
(Beifall bei der LINKEN – Martin Zeil [FDP]: So etwas nennt man Marktwirtschaft!)
Allerdings wären weitere Schritte notwendig, zum Beispiel eine Stärkung
der Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher, ein Verbandsklagerecht
der Verbraucherverbände sowie schärfere Qualitätskontrollen. Wir
unterstützen auch die Missbrauchskontrolle der Energiepreise. Jedes
Instrument gegen den Marktmissbrauch durch die großen Vier ist besser,
als überhaupt nichts zu tun.
Deren Oligopolstellung, Kollege Zeil, ist eine Sondersituation, die
allerdings auch Sondermaßnahmen hervorrufen muss. Für völlig absurd
halten wir das Gegenargument, die Missbrauchskontrolle verhindere
Wettbewerb, weil der Markt für neue Anbieter geschlossen würde. Ein
Recht auf überhöhte Preise hat ein Investor tatsächlich nicht. Aber,
Kollege Rupprecht, dieser Schritt ist kein Grund, sich zur Ruhe zu
setzen. Es kann nur ein weiterer Schritt von Maßnahmen sein, nicht aber
der Endpunkt, wie Sie es wollen.
(Reinhard Schultz [Everswinkel] [SPD]: Es hat auch keiner vor, sich zur Ruhe zu setzen!)
Doch, Sie sagen sehr deutlich: Wir wollen bis 2012 abwarten, was aus
diesen Maßnahmen folgt, und erst dann wollen wir weiter überlegen. Es
gibt kein Recht auf Monopolpreise, aber ein Recht auf Zugang zu Strom.
Strom gehört zu den Gütern der Daseinsvorsorge. Wer keinen Strom hat,
kann nicht produzieren oder sitzt im Dunkeln. Im Dunkeln wird es dazu
noch kalt. Der Mieterbund schätzt, dass die durchschnittlichen
Heizkosten für eine 70-Quadratmeter- Wohnung infolge der gestiegenen
Energiekosten um 150 Euro steigen werden. Die Decke wird also noch
vielen die Heizung ersetzen.
(Martin Zeil [FDP]: Woher kommt das wohl?)
Angesichts dieser Situation ist es tatsächlich notwendig, Menschen und
Betrieben den Zugang zu Strom zu sichern. Deshalb fordern wir nach wie
vor die Rückkehr zur staatlichen Preiskontrolle und Sozialtarife und
nicht nur die Missbrauchsaufsicht durch das Bundeskartellamt.
(Beifall bei der LINKEN)
Das wäre auch kurzfristig die bessere Lösung, Kollege Rupprecht. Dies
hat nichts mit der uns in diesem Zusammenhang immer wieder
vorgeworfenen Staatsgläubigkeit zu tun, sondern das ist das Abc des
Sozialstaats. Aber in dieser Frage gehören Sie alle zurück auf die
Grundschulbank.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Die Missbrauchsaufsicht ersetzt erst recht keine strukturellen
Maßnahmen, Kollege Rupprecht. Die Monopolstellung selber ist das
Problem, nicht nur in der Folge die Monopolpreise. Aber an den
Monopolpreisen trifft es die Menschen. Eine Familie zahlt pro Jahr 400
Euro alleine an Monopolaufschlag. 13 Prozent des Preises gehen auf die
Monopolstellung zurück. Auch das berichtete einer der Sachverständigen.
Deshalb ist es dringend notwendig, ergänzend tatsächlich
Entflechtungsmaßnahmen zuzustimmen, wie sie die europäische
Wettbewerbskommission vorgeschlagen hat. Diese lehnen Sie jedoch nach
wie vor ab. Anfang Dezember soll darüber im Europäischen Rat beraten
werden. Für eine Entscheidung reicht die qualifizierte Mehrheit der
Länder. Es gibt eine Menge Länder, die dafür sind oder die solche
Maßnahmen bereits realisiert haben. Mit Ihrer Politik im Interesse der
vier großen Energiekonzerne zerstören Sie auch den europäischen
Zusammenhalt in dieser Frage.
Deshalb fordern wir Sie noch einmal auf, der Trennung von Netz und
Stromerzeugung zuzustimmen, wie sie die Europäische Kommission
vorgeschlagen hat. Damit die Netze dann nicht in die Hände von
Heuschrecken geraten, müssen sie dringend in die öffentliche Hand
überführt werden. Danke.
(Beifall bei der LINKEN)